Die grüne Revolution wird kommen

Wir leben aktuell in einer Wirtschaftsdiktatur. Die Geschicke der Welt lenkt ein Netzwerk der reichsten Konzerne dieser Erde. Diese greifen in das gesamte Weltgeschehen ein, lenken Politik und Gesellschaft zu ihren Gunsten. Die Mont Pèlerin Society etwa ist eine der mächtigsten Institutionen auf diesem Planeten. Sie sorgte dafür, dass die Weichen in Wirtschaft und Politik so gestellt wurden, dass ihre Mitglieder heute zu den mächtigsten Drahtziehern der Erde gehören. Interssensverbände und Lobbygruppen steuern die öffentliche Wahrnehmung, sodass auch die Gesellschaft ihnen nützt. Wir werden fehlgeleitet in unseren Entscheidungen.

 

Wir leben in einer Welt der Konsumpropaganda. Kaufen ist Lebensinn und Zweck der eigenen Existenz als Individuum. Ich kaufe also bin ich. Umgekehrt wird auch ein Schuh draus. Ich verkaufe, also kann ich sein. Wer am Markt nicht performed gehört in der Gesellschaft schnell zu den Verlierern.

 

Dabei ist nur all zu offensichtlich dass die entfesselte Marktwirtschaft – aktuell völlig entkoppelt von planetaren Grenzen – unglaublichen Schaden am globalen Ökosystem anrichtet. Zudem werden neben der Natur auch Menschen ausgebeutet. Zugegeben, viele profitieren von einer starken Wirtschaft durch Arbeitsplätze. Doch häufig sind die meisten Arbeitsplätze weder sinnstiftend, noch fair bezahlt. Viele Menschen trennen ihr Lebensglück strickt von ihrer Arbeitswelt. Arbeit als Übel zur sonstigen Existenz.

 

Klar, in Deutschland jammern wir auf einem hohen Niveau. Die New-Work-Bewegung scheint mir dabei auch eher ein Selbstzweck als eine ernst zu nehmende Strömung für bessere Arbeitsbedingungen und mehr Lebensglück zu sein. Für mehr Lebensglück müsste man sich nämlich einem wirklichen Sinn im Leben hingeben können. Und der fehlt in den meisten Wirtschaftsunternehmen gänzlich. Hier erleiden viele einen regelrechten Realitätsverlust. Gefangen in der Konsum-Propaganda schwimmt man mit in der Masse derer, die kaufen und konsumieren. Schicke Kleidung, tolles Essen und das liebste Hobby: Fernreisen, je exotischer und weiter, desto besser.

 

Jedem sind die Auswirkungen klar doch da ist sie wieder, die Propaganda: Ich kaufe, also bin ich. Ich verkaufe, also kann ich sein.

 

Nun sagen viele, zuerst kommt das Fressen, dann die Moral. Dies mag auch stimmen. Jedoch – schaut man genauer hin – geht es dabei nicht ums Fressen, also die Nahrungsaufnahme an sich, sondern ums Überleben. Uns Menschen ist unser eigenes Überleben am wichtigsten. Damit unterscheiden wir uns kaum von anderen Tieren.

 

Ist unser Leben gesichert zeigen Experimente mit Säuglingen, dass die zweite für uns sehr wichtige Kraft die Liebe zu anderen Menschen, die Gemeinschaft, Fairness, Kooperation ist.

 

Und wieso konsumieren wir dann, obwohl wir wissen, dass wir damit häufig anderen schaden, Stichwort Billiglohnländer, die unsere Kleidung produzieren, wobei viele Menschen sterben. Wieso reisen wir dann, wohl wissend, dass wir von einer globalen Klimakriese betroffen sind. Genau, unsere uns indoktrinierte Ideologie der Wirtschaftsdiktatur und ihrer Propaganda dämpfen unser schlechtes Gewissen, unser Gefühl, dass es so nicht geht.

 

Wir selbst profitieren ja von einem solchen Verhalten des Konsums ganz direkt. Ansehen in der Gesellschaft, Freude, die Ausschüttung von Glückshormonen. Das schlechte Gewissen würde erst durch kommen, wenn wir unmittelbare Folgen unseres falschen Verhaltens spüren würden. Dass das nicht passiert, dafür sorgt die Konsumpropaganda, die auch uns ein genügend großes Stück vom Kuchen abbekommen lässt. Das Fernsehen, Zeitungen, groß angelegte Werbekampagnen suggerieren uns eine absolut heile Welt und Glück durch den Kauf dieses oder jenes Produktes, dieser oder jener Dienstleistung.

Das Erwachen

Viele Menschen jedoch spüren heute trotz des ganz dicken Dämpfers, dass es so nicht weiter gehen kann. Extreme bilden sich aus. Manche werden zu Veganern, andere kaufen sich SUVs, um sich davon zu überzeugen, dass es so schlimm ja gar nicht sein kann oder – ehe es eh nicht mehr geht – dieses Gefühl noch einmal erlebt zu haben, sozusagen greift hier der aus der Werbepsychologie bekannte "Verknappungseffekt". Wenn nicht jetzt noch schnell, wann dann? Wir verstärken das, was wir schon seit langem tun ohne nur eine im Ansatz sinnvolle Phantasie aufbringen zu können, wie es denn auch ganz anders sein könnte.

 

Richard David Precht stellt dazu sehr treffend fest, dass sich ein Großteil der heutigen Generation kaum mehr eine "bessere Zukunft" erträumen kann. Mit der digitalen Arbeitswelt identifizieren können sich nur die Wenigsten. Sich vorzustellen dazu zu gehören. Dass die neue, digitale Welt alles besser macht, glauben auch nur die Wenigsten. Ganz im Gegenteil zu den Plakaten der Stahlarbeiter in den 1930 Jahren. Da konnte man noch davon träumen, eines Tages auch dazu zu gehören und mit mehr Wohlstand zu leben. Doch wir merken heute, dass – zumindest hier in Deutschland – die Wachstumsgrenzen deutlich spürbar werden. Die Digitalisierung schafft Arbeitsplätze ab, der Klimawandel ist auch hierzulande deutlich zu spüren. Die Menschen bekommen es mit der Angst zu tun. Wie soll es weiter gehen?

 

Stimmen werden laut, die nach einem Öko-Diktator rufen. Immer mehr sozial abgehängte Menschen wählen Parteien am rechten Rand. Man wünscht sich eine Veränderung und verharrt doch im Alten.

 

 

Jedoch gehen die, welche sich politisch engagieren, häufig davon aus, dass wir eine "Basisdemokratie" haben. Durch Demonstrationen wird die Utopie verteidigt, das Kollektiv bestimme und zwar nach den eigenen Interessen. Derzeitige politische Entscheidungen weltweit strafen uns Lügen. Von der Machte des Kollektivs kann nicht die Rede sein. Und wäre das Volk der Souverän, dann wäre das Volk doch in großen Teilen bereits indoktriniert und nur schwer in der Lage, eine wirklich gute Entscheidung zu treffen, wofür es eintreten sollte.

 

Eigentlich ist unsere Staatsform eine repräsentative Demokratie und da wählen wir Parteien, die unsere Interessen im besten Fall vertreten. Doch Parteien entscheiden heute jedoch nicht unbedingt das, was die Mehrheit der Menschen möchte. Zu sehr sind sie im Würgegriff der Wirtschaftskonzerne. Entscheidet sich die Politik gegen Wirtschaftsinteressen, gehen Arbeitsplätze verloren. Das Kollektiv wird die Partei dafür zur Rechenschaft ziehen. So befinden wir uns in einem Teufelskreis. Zudem profitieren viele Entscheider ihrerseits von einer nicht sozialen, nicht ökologischen Marktwirtschaft. Sie müssten sich also nach Christian Ferber, dem Erdenker der Gemeinwohl-Ökonomie, selbst Grenzen setzen oder sich sogar abschaffen, damit neue, sozial und ökologisch gerechtere Strukturen nachwachsen könnten.

 

Die Macht der egoistischen und egozentrischen Menschen liegt nach Ferber in der Natur der Sache. Nur, wer sich selbst ausbeuten kann, kommt heute in unserer Contrakurrenten (auf ein Gegeneinander ausgerichteten) Welt nach oben. Diese Menschen beuten dann auch gerne andere Menschen und die Natur aus. Soweit seine Theorie.

 

In Wirklichkeit haben wir also nicht einmal eine repräsentative Demokratie, sondern eine Diktatur der freien Marktwirtschaft, angeführt von Egozentrikern. 

Träumen wieder lernen

Aktuell macht die Klimakrise und Ökokrise vielen Menschen Angst. Gerade die junge Generation erkennt, dass die Logik der Alten nicht mehr tragfähig ist und treibt sie auf die Strasse. Klar sind auch sie noch im System und im Denken des Konsums auf Kosten ihrer Umwelt gefangen. Doch sie merken, dass sie nicht zu den Gewinnern der Globalisierung zählen werden. Die Klimakrise entstand maßgeblich in den letzten 200 Jahren durch Globalisierung, Industriealisierung und die freie Marktwirtschaft, den hoch gelobten Individualismus und den daraus folgenden grenzenlosen Konsum.

 

Um die Krise zu überwinden müssen wir uns eine grundlegend neue Weltordnung, eine grundlegend neue Handlungslogik schaffen. Im Grunde beginnt es beim Denken und damit bei uns selbst. Wir müssen uns zunächst einmal vorstellen können, wie es denn auch anders gehen könnte.

 

Häufig ist der erste Schritt zu einer wirklichen Veränderung in einer Krise das Anerkennen dessen, was ist. Wir müssen also zunächst einmal anerkennen und zulassen, dass die Masse an Menschen auf diesem Planeten dazu ausreicht, um einen Großteil der Natur außer Kraft gesetzt zu haben. Natürlich spielt nicht nur die Anzahl an Individuen die versuchen am Leben zu bleiben, sondern vor allem die Art und Weise unseres modernen Lebens, also der Lebensstil, eine ganz zentrale Rolle.

 

In Wahrheit stehen wir an der Schwelle einer neuen Revolution, einer Öko-Revolution. Sie muss kommen, wenn wir einer größeren Katastrophe entgehen wollen. Während in den vergangenen Jahrtausenden der Mensch also zunächst in einer für ihn oftmals feindlichen Umwelt lebte, lebte er jedoch allein aufgrund seiner wenigen Individuen im Einklang mit ihr, da er kaum im Stande war, die Erde großartig nach den eigenen Bedürfnissen zu verändern. Heute leben wir im Zeitalter des Anthropozän, also im Zeitalter der menschgemachten oder durch Menschen geformten Erde. Der Mensch hat einen so hohen Einfluss auf die Natur, dass er sie in weiten Teilen bestimmen kann. Beherrschen können wir die Natur nicht, doch wir können sie weitestgehend an unsere Bedürfnisse anpassen.

 

Während wir also lange Zeit gegen die Natur gekämpft haben, haben wir die Erde nun so verändert, dass sie in ihrer Beschaffenheit in weiten Teilen der Erde gut beherrschbar ist. Nur hat unser Einfluss auch dazu geführt, dass das bislang so gleichmäßig und verlässliche ökologische System langsam außer Kontrolle gerät. Wir müssen also anfangen, es zu schützen. Die neuesten Schlagzeilen der globalen Erderwärmung und des globalen Artensterbens sollten uns wachrütteln. Wir müssen uns eingestehen, dass wir in Wahrheit keine Wahl haben, als unseren Lebensstil und unseren Konsum drastisch zu verändern. Damit dies gelingt, brauchen wir eine neue Wirtschaftsordnung. Die Gemeinwohl-Ökonomie könnte hierfür ein Weg sein. Diese lässt zwar weiterhin Konkurrenz zu, sie fügt jedoch neben dem Kriterium "der Günstigste siegt", also der Wirtschaftlichkeit, weitere Werte basierte Kriterien hinzu, etwa die Nachhaltigkeit im Sinne der Umweltverträglichkeit, soziale Verantwortung, ökologisch nachhaltiges Wirtschaften, innerbetriebliche Demokratie und gesamtgesellschaftlicher Solidarität.

 

Im Moment widerspricht unsere Form des Wirtschaftens noch dieser Logik. Das Geld und das billigste Angebot regiert die Welt. Jede Maßnahme zum Schutz des Ökosystems ist rein monetär betrachtet teurer, als die Nutzung oder Ausbeutung der Erde. Die Gemeinwohl-Ökonomie trägt dem Rechnung. Sie versucht die derzeitige globale Logik zu verbessern und sie zukunftsfähig zu machen.

 

Zukünftig muss sich naturförderndes und naturschützendes Verhalten mehr lohnen, als das Gegenteil. Und das wird es auch. Wenn wir mehr und mehr darauf angewiesen sind, dass unser Ökosystem funktioniert, um uns zu versorgen und uns nicht zu töten, werden Dienstleistungen, Wissensvermittlung etwa, hinsichtlich Naturschutz und Naturförderung das wertvollste und teuerste Gut auf Erden sein. Nachhaltige, schonende Rohstoffgewinnung und Wiederverwendung von Gütern wird die Regel werden. Es werden keine neuen Produkte und Güter mehr gekauft werden, sondern der langfristige Gebrauch, die Instandsetzung und Instandhaltung werden den Markt bestimmen.

 

Manche glauben heute, die Digitalisierung sei die nächste große Revolution. Ich glaube, das ist maximal ein Teil davon, wenn nicht sogar nur ein Mittel zum Übergang in ein neues Zeitalter. Menschen werden – vielleicht auf eine ganz neue Weise als noch vor einigen hundert Jahren – wieder ihre eigenen Lebensmittel produzieren. Wir werden erkennen, dass die Definition von Wohlstand rein auf der Basis von Besitz nirgends hin führt. Wahres Glück ist so noch nie entstanden.

 

 

Die Welt von Morgen wird auf Kooperation und Nachhaltigkeit gebaut sein müssen. Das aktuelle System der egozentrischen Wirtschaftsideologie findet gerade seinen Höhepunkt. Danach wird es untergehen.

 

Sie können ein neues System bereits heute unterstützen, indem sie Produkte aus Kreislaufwirtschaft (cradle-to-cradle) bevorzugen, Unternehmen, welche eine Gemeinwohlbilanz erstellen unterstützen, selbst eine Gemeinwohlbilanz erstellen, sich einer Transition-Town-Bewegung oder einer SoLaWi (Solidarische Landwirtschart) anschließen. Sie können Ihren Garten nach dem Drei-Zonen-Modell gestalten oder ihre Landwirtschaft auf Öko umstellen und dabei Lebensräume für heimische Wildtiere und Pflanzen gezielt fördern. Und wenn hier noch nichts dabei ist, wieso schließen Sie sich nicht einer Umweltschutzorganisation an oder versuchen bei sich selbst anzufangen und Plastik komplett aus Ihrem Leben zu verbannen und ab sofort nur noch Bio-Produkte und nachhaltige Kleidung zu kaufen. Sie werden sehen, es geht und es macht Freude – echte Lebensfreude!

 

Ich beispielsweise habe seit einiger Zeit Plastik weitestgehend aus meinem Konsum entfernt. Alles, was in Plastik verpack ist, bleibt im Regal. Ich beziehe Ökostrom und habe seit zwei Jahren einen Drei-Zonen-Garten. Geschäftlich reise ich ausschließlich mit der Bahn. Für Gemüse, das ich im Winter unter Einsatz von Co2 konsumieren muss, kaufe ich Co2-Zertifikate, damit Aufforstung betrieben werden kann. Mir kommt nur noch Bio auf den Tisch, ja, dafür muss ich auch mal auf etwas anderes verzichten, doch die Mehrkosten sind es mir wert. So schränke ich gleichzeitig meinen Luxuskonsum etwas ein. Für mich ist dies die neue Art zu leben. Und? Haben Sie auch Lust bekommen? Na dann los! :-)

 

Und denken Sie daran, es ist immer gut, Gutes zu tun und ebenso wichtig, auch andere mitzunehmen und darüber zu sprechen.

In diesem Sinne – lassen Sie uns die Welt verändern!

 

Ihr,
David Seifert

Kommentar schreiben

Kommentare: 0