Blühbrache vs. Blumenwiese – was bringen die Blühbrachen wirklich?

Es macht Mut, dass sich mehr und mehr Menschen um mehr Artenvielfalt bemühen. Auch Landwirte engagieren sich vermehrt für mehr Biodiversität. Vielen ist Ihre große Verantwortung bewusst, einige haben mir gegenüber geäußert, durch Naturschutzflächen und die Unterstützung von Naturschutzbemühungen die anderweitig, wirtschaftlich genutzten Flächen ausgleichen zu wollen. Eine Wiedergutmachung sozusagen.

 

Seit dem Volksbegehren Artenvielfalt in Bayern tut sich aber nicht nur bei den dort vielfach in die Kritik geratenen Landwirten etwas, sondern auch bei ebenso verantwortlichen Gemeinden und Privatpersonen. So wird laut Norbert Schäffer vom LBV dieses Jahr vermehrt um Margeriten, Natternkopf, Wiesensalbei oder Wegwarte herum gemäht, ob beim Straßen-Begleitgrün oder im eigenen Garten.

 

Bei Landwirten haben Blühbrache und der Blühstreifen dieses Jahr Hochkonjunktur. Manche Landwirte haben sogar Blühpatenschaften ins Leben gerufen. So konnte man bei manchen Landwirten Parzellen auf Äckern pachten, die dann vom Landwirt "Bienenfreundlich" eingesät wurden. Doch was ist von dem Eifer zu halten und was bringen Blühstreifen, Blühbrachen und Co. in der Praxis?

 

Schön sehen sie aus, die Blühstreifen und Blühbrachen. Sie machen Mut! "Es tut sich ja doch was!" möchte man rufen! Dabei wird auch Kritik laut an den Blühsteifen. "Augenwischerei" sei es, sagen manche oder sogar eine "Todesfalle für Insekten", wenn diese Bienenmagnete inmitten konventionell vergifteter Wirtschaftsvegetation stehen.

Was bringen Blühsteifen und Blühbrachen?

Ich bin Naturschützer und kann auf mein eigens erlangtes Wissen durch Beobachtung und die tägliche Praxis zurückgreifen. Um den Nutzen solcher Blühstreifen und Blühbrachen darzulegen, bedarf es genauer Betrachtung des Standortes und was damit erreicht werden soll oder kann. Ich möchte ohne Blühstreifen zu bewerten versuchen, denjenigen, die etwas für unsere heimische Artenvielfalt tun möchten, einige grundsätzliche Zusammenhänge näher bringen. So kann jeder für sich selbst entscheiden, was nützt und was nicht.

 

Wenn wir uns ansehen, wo Artenvielfalt herrscht und was es für Artenvielfalt braucht, lassen sich einige Grundsätze festhalten.

 

Grundsatz Nr. 1: Heimische Insekten brauchen heimische Pflanzen!

 

Ich bin Vorsitzender von drei BUND Naturschutz-Ortsgruppen. Mit der Ortsgruppe im Obb. Reichertshofen betreuen wir ein Projekt, die sog. "Paartaler Sanddünen" (http://www.hallertau.info/index.php?StoryID=700&newsid=99134) das zum Großschutzprojekt FFH-Gebiete, Natura 2000 gehört (http://www.ffh-gebiete.de/). Dieses Biotop auf sandigen Hängen beherbergt zahlreiche einheimische Blühpflanzen, Insekten und Reptilien, die andernorts bereits ausgestorben sind. Hier lassen sich auch zwei bekannte Rote-Liste-Arten finden. Die Malven-Langhornbiene und die Ochsenzungen-Sandbiene. Nur zwei von insgesamt 550 Wildbienenarten, die wir hier in Deutschland haben. Als ich diese beiden außergewöhnlichen Namen zum ersten Mal hörte, konnte ich sie mir kaum merken, bis mir erklärt wurde, was sich dahinter verbirgt. 

 

Die Malven-Langhornbiene zum Beispiel befliegt nur die Blüten von Malven. Die Ochsenzungen-Sandbiene die der Ochsenzunge, eine lila blühende, unscheinbare Pflanze die gerne an trockenen, sandigen Plätzen wächst, die niemals gedüngt werden.

 

Diese beiden Beispiele sind nur zwei von zahlreichen in denen sich bestimmte Tiere und Pflanzen über Jahrtausende aufeinander eingestellt haben. Es gibt in der Natur weit komplexere Zusammenhänge, die ich an dieser Stelle aussparen werde. Fest steht, wo keine Ochsenzunge wächst, da wird auch nie eine Ochsenzungen-Sandbiene zu finden sein. Hinzu kommt, dass die Erdbiene sich in sandigen Boden gräbt um zu nisten oder ihre Nisthöhlen an Sandhängen in die Steilwand gräbt. Somit ist auch sandiger, durchlässiger Boden nötig für diese Biene. Sie werden nun vielleicht zu Recht anmerken, dass diese Biene, wie auch die Malven-Langhornbiene so selten geworden ist, dass sie ohnehin auch kein neu geschaffenes Biotop mit Ochsenzungen und Sand besiedeln wird, da der Flugradius dieser Biene auf etwa einen Kilometer beschränkt ist. Was hier zu tun wäre, später.

 

Eines steht im Bezug auf Blühbrachen und Blühstreifen fest. Sog. Oligolektische Wildbienen, die sich auf ganz bestimmte Wirtspflanzen spezialisiert haben, haben von Blühbrachen mit Sonnenblume, Phacelia und Luzerne nichts, da sie mit keiner der Pflanzen etwas anfangen können. Von diesen Pflanzen ernähren sich nur die in Deutschland am häufigsten vorkommenden Arten, die nicht auf bestimmte Pflanzen spezialisiert sind. Selbstverständlich sind auch diese bedroht und ist auch deren Bestand stark zurück gegangen – daher möchte ich sagen, jede Pflanze die Pollen und Nektar spendet ist wertvoll, jedoch sind unsere Insekten auf heimische Wildpflanzen angepasst. Eine Phacelia jedoch, die von der häufigsten Hummel in Deutschland, der Erdhummel, beflogen wird, rettet KEINE EINZIGE (!) oligolektische Biene, die so viel seltener ist und keinen seltenen Schmetterling.

 

Es ist also wichtig, zu Saatgutmischungen zu greifen, die ausschließlich oder vorwiegend einheimische Pflanzen enthalten und keine oder kaum fremdländische.

 

Saatgut, das in Baumärkten oder Discountern angeboten wird, eignet sich nicht, da dieses zumeist fast ausschließlich ausländische Pflanzen enthält. 

Gebietsheimisches Saatgut ist bei zertifizierten Händeln zu bekommen, etwa Rieger-Hofmann (http://www.rieger-hofmann.de) und auch hier im Shop erhältlich. Dann besteht die Chance, heimische Pflanzen wie Färberkamille, Heidenelke, Wiesen-Margerite, Thymian, Gamander-Ehrenpreis, Wilde Möhre, etc. wieder auf unseren Wiesen zu sehen.

 

Das Problem nur: Diese Pflanzen brauchen spezielle Wachstumsbedingungen, um zu gedeihen. Mehr dazu im nächsten Absatz.

Wo herrscht Artenvielfalt?

Um etwas für unsere heimische Artenvielfalt zu tun, braucht es neben "heimischen" Pflanzen auch den dazu passenden Standort und Boden.

 

 

Grundsatz Nr. 2: Vielfalt braucht Magerkeit!

 

Markus Gastl, der Begründer des Hortus-Netzwerks (www.hortus-netzwerk.de), prägte den Satz "Vielfalt braucht Magerkeit". Er verweist dabei immer wieder darauf, dass auf humusreichen, "fetten" Böden nur an die 90 heimischen Pflanzen dauerhaft gedeihen. Auf mageren Böden, etwa an sandigen Hängen, in Kiesgruben oder in Berglagen, wo niemals gedüngt wird und der Boden durch Felsen gut drainagiert ist, wachsen bis zu 4.500 verschiedene einheimische Pflanzen. Wenn wir also daran zurück denken, was ich oben erwähnt habe, können wir mit Blühbrachen die auf zuvor hochgedüngten Gemüseäckern für eine kurze Zeit wachsen niemals viele und schon gar keine spezialisierten Insekten unterstützt werden, da die Wiesenblumen dort sofort von "Unkraut" überwuchert werden, ehe sie sich etablieren.

 

Wieso ist das so? Die Lösung liegt in der Evolution. Über Jahrtausende waren unsere Kulturlandschaften nährstoffarm und karg. Bauern trieben ihre Viehherden über die Hänge, Dünger war Mangelware. Die Pflanzen- und Tierwelt hatte viele Jahrtausende Zeit, sich daran anzupassen. Seit der Mensch durch Kunstdünger und Gülle aus Massentierhaltung (dem Soja und Erdöl sei Dank) nachhelfen kann, werden sogar Wiesen gedüngt (was früher undenkbar war!). Schlicht hat sich unsere Vegetation in den vergangenen 50 bis 80 Jahren auf diese Art der Düngung (auch über die Luft durch Stickstoff etc.) nicht einstellen können. Die Evolution ist viel langsamer.

 

Einige Arten von Gräsern und Leguminosen wurden von Landwirten kultiviert, weil sie schnell wachsen und viel nahrhaftes, eiweissreiches Futter bringen. Die vielfältig blühenden Magerwiesenblumen jedoch halten dem Druck durch kultiviertes Grün auf gut gedüngten Böden nicht stand und verschwinden unter Girsch, Brennessel, Quecke, Löwenzahn, Beifuß, Gänsefuß, Berufskraut, verschiedenen Gräsern, Klee etc. rasch. Dies ist gut zu beobachten in den "Fettwiesen" die bis zu 5 mal pro Jahr gemäht werden oder an den Seitenstreifen unserer Straßen, die bis zu 3 mal pro Jahr gemulcht werden. Das Mähgut bleibt also liegen, dies düngt, bald wächst dort nur noch Gras und Löwenzahn, der rasch verblüht.

 

Unsere Blühbrachen und Blühstreifen sind also ebenfalls meist recht artenarm, was auf den fetten Boden zurück zu führen ist, denn meist beginnt nach 1 bis 5 Jahren wieder die konventionelle Nutzung für Gemüseanbau und hier kann der Boden nicht genügend Nährstoffe haben. Von Landwirten werden also diejenigen Blühpflanzen für Blühbrachen verwendet, die eine gewisse Chance haben, sich für einige Zeit zumindest gegen die Konkurrenz der Stickstoffliebenden Pflanzen zu behaupten, etwa Wilde Malve, Wilde Karde, oder ausländische Pflanzen wie Phacelia oder Sonnenblume. Diese Pflanzen wachsen schnell und / oder hoch und setzen sich so gegen eine gewisse Konkurrenz durch. Oder es werden Liguminosen verwendet, um den Boden mit dem nötigen Stickstoff zu versorgen, um nach der Blühbrache wieder Gemüse auf dem Acker anbauen zu können. Luzerne etwa wurzelt tief. Sie lockert den Boden und reichert ihn mit Stickstoff an, den sie aus der Luft entnehmen kann. Gut für den Boden, nicht gut für eine artenreiche Magerfläche. Die beiden Nutzvarianten, artenreiches Dauergrünland auf magerem Boden (Flachland-Mähwiese / Magerrasenfläche) und Blühbrache auf fettem Ackerboden für Gemüseanbau schließen sich also eigentlich gegenseitig aus. Man kann nur das Eine oder das Andere haben.

 

 

Für echten Insektenschutz braucht also intakte sog. "Flachland-Mähwiesen" (Magerrasenflächen), die niemals gedüngt werden und wo Kleegräser, welche die Eigenschaft haben, Stickstoff aus der Luft zu binden und im Boden einzulagern (damit also düngen) nicht kultiviert bzw. entfernt werden. Durch Beweidung und / oder Mahd werden diese Flächen mager gehalten. Wenn Flächen mager sind und durch Beweidung oder Mahd mit Abtragen des Mähgutes mager gehalten werden, dann etablieren sich hier wertvolle Magerwiesen-Blühpflanzen und seltene Kräuter. Bis zu 4.500 verschiedene Arten von heimischen Blumen und Kräutern sind dann möglich. Diese sog. Mager-Wiesen wachsen so langsam, dass nur eine einmalige Mahd pro Jahr möglich bzw. nötig ist. Für die Bauern, welche ihre vielen Kühe mit Gras-Sillage versorgen wollen oder müssen, reichen Mager-Wiesen nicht mehr aus, die nur einmal pro Jahr Futter liefern, dazu hat der Bauer nicht genügend Grünland bzw. wird dieses für mehr Ertrag gedüngt. Für den Gemüse- oder Getreideanbau sind diese Flächen gänzlich ungeeignet.

 

Nutzäcker mit Blumen (Blühbrachen) lassen sich mit einer artenreichen, nährstoffarmen Wiese also nicht vergleichen. Schon allein deshalb, weil erst nach etwa 10 Jahren sich eine echte Artenvielfalt an Tier- und Pflanzengemeinschaften eingestellt hat – und dies auch nur dann, wenn die Tiere eine Möglichkeit hatten, auf die Fläche zuzuwandern.

 

So sind Blühbrachen eine Freude auf kurze Zeit für wenige Insekten. Wild findet hier Schutz, der Igel kann hier des Nachts einige Insekten jagen. Bleibt die Brache stehen, finden Vögel im Winter Samen von denen sie sich ernähren können. Nicht schlecht, leider aber nicht ausreichend, um ein Artensterben zu stoppen, denn erst eine magere Wiese sorgt für artenreiche Blütenpracht, die im Übrigen bis zu drei Jahre braucht, um sich zu entwickeln und eine Blütenpracht hervor zu bringen sowie erste Tier- wie Pflanzengemeinschaften zu etablieren.

 

Wie kann Artenvielfalt bewahrt werden?

Grundsatz Nr. 3: Die richtige Mahd macht's!

 

Auf die Mahd kommt es an. Legen wir die Blühbrachen auf Zeit mal bei Seite. Wir wissen nun, dass diese einen gewissen Nutzen haben, jedoch nicht ausreichen, um das Artensterben aufzuhalten oder umzukehren. Wenden wir uns mal dem bestehenden Dauergrünland zu. Hier können Landwirte, Kommunen und Privatpersonen viel tun.

 

Viele Landwirte unterhalten Wirtschaftswiesen. Diese dienen häufig der Futtergewinnung für ihr Vieh. An sich war die Mahd oder Weidetierhaltung wie sie früher stattgefunden hat, ideal für unsere Artenvielfalt. Was war anders? Wo ein Landwirt wenige Tiere hatte und genügend Land, wurde immer nur ein Teil einer Wiese beansprucht. Ein Bauer mähte abschnittsweise immer einen kleinen Teil seiner Wiese, immer zu einem anderen Zeitpunkt. Gedüngt wurde die Wiese niemals. Manche Teile, die etwas abgelegen, ungünstig lagen oder wenig Ertrag versprachen, etwa an Berghängen, wurden nur einmal im Jahr oder gar nicht gemäht. Diese vielfältig gepflegte, kleinteilige Wiesen-, Auen und Brachlandschaft nannte man "Kulturlandschaft" und sie unterstützte ideal den Artenreichtum.

 

 

 

Sehen wir uns an, wie es heute gemacht wird. Viele Wiesen werden gedüngt und bereits im Mai, spätestens Mitte Juni das erste Mal gemäht. Zwei bis vier weitere Mähdruchgänge erfolgen. Dabei wird stets bis zum Rand und alles auf einmal gemäht. Meist nicht nur eine Fläche (die heute viel größer ist, als noch vor 50 Jahren), sondern gleich alle Flächen auf einmal. Dann wird Grassillage gemacht. Das Futtergras wird haltbar gemacht, nicht alles sofort verfüttert. Dann wird die Wiese wird gedüngt, einige Wochen später erneut gemäht.

 

Schaut man sich den Lebenszyklus eines anderen Spezialisten an, etwa der Wiesenmargeriten-Bohrfliege, so erkennt man, dass diese Fliegenart keine Chance hat, in einer Wirtschaftswiese zu überleben. Ergründen wir kurz wieso. Eine Wiesenmargeriten-Bohrfliege, nennen wir sie "Rudi" sucht sich im späten Frühjahr eine Wiesenmargerite aus, die noch nicht blüht. Die Fliege besetzt die Wiesenmargerite und verteidigt sie gegen andere Bohfliegen-Männchen. Rudi wartet nun auf ein Weibchen, Lisa. Die Paarungszeit beginnt mit der Blühte der Margerite. Das Weibchen legt nun mit ihrem Legestachel Eier in die Wiesenmargerite. Die Eier entwickeln sich zu Rauben, die Rauben fressen die Wiesenmargerite von innen heraus und entwickeln sich zu Larven. Wenn die Wiesenmargerite verblüht ist, verpuppen sich die Raupen in der Erde, um im nächsten Frühjahr als Rudi oder Lisa eben an der selben Margerite erneut zu beginnen. Voraussetzung: Die Margerite steht bis sie verblüht ist und der Zyklus des Lebens hat auch im kommenden Jahr wieder die Chance, sich zu vollziehen, wenn die Margerite vom Keimling über die Blüte bis zum Aussamen wächst und stehen bleibt. Dies passt nicht mit einer Mahd zusammen, welche die Margerite in der vollen Blüte köpft – sofern eine Wiesenmargerite überhaupt in der Wiese vorkommt, denn auch sie braucht mageren Boden um sich behaupten zu können und verträgt keine mehrmalige Mahd pro Jahr.

 

Artenreiche Wiesen, die der Vielfalt unserer Insekten dienen, müssen also mager gehalten werden und dürfen nicht zu häufig gemäht werden. Eine Empfehlung zu Mahdzeitpunkten zu geben ist schwierig, möglich wäre aber sicher, ein Drittel einer Wiese Mitte des Jahres, das zweite Drittel im Herbst und das dritte Drittel im zeitigen Frühjahr des nächsten Jahres, vor April zu mähen. So könnte eine Möglichkeit aussehen, um die Artenvielfalt zu erhalten und auch anderen Wiesenbewohnern wie Wiesenbrütern gerecht zu werden. Im Grunde ist eine "mehrschürige Mahd" oder zeitweise Beweidung, niemals eine übermäßige Nutzung und schon gar kein Kahlschlag größerer Flächen eine "naturgerechte" Pflege. Kleinteilig und zufällig also.

 

Mehr zu artenreichen Wiesen bei Roland Günter (http://www.naturbildarchiv-guenter.de/home/).

 

Dies kann dadurch erreicht werden, dass Wiesen von der Ertragswirtschaft abgekoppelt werden. Durch Subventionen, die ein hilfreiches Mahd-Management unterstützen und den Ertragsausfall ersetzen, wären eine Möglichkeit, Artenviefalt zu fördern. Alternativ wäre ein Label jenseits der gängigen Bio-Labels denkbar, das Landwirte auszeichnet, welche min. 1/3 der Flächen aus der hoch wirtschaftlichen Nutzung entnehmen und diese stattdessen kleinstrukturiert naturnah pflegen, also aktiv Natur- und Landschaftsschutz betreiben. So wären Brachen denkbar, Entwässerungsgräben könnten zugeschüttet und Feuchtbiotope geschaffen werden. Bäche könnten von Landwirten renaturiert werden, wenn sich diese zu einem "Flächenverbund" zusammenschließen würden. Nur, wenn wir einen Biotopverbund schaffen, durch Naturschutzflächen, welche Naturschutzgebiete verbinden, wird es auch auf Dauer möglich sein, die vielen Inselbestände an seltenen Insekten wieder miteinander zu vernetzen. Manche könnten dann auch von Blühbrachen profitieren, zumindest ein kleiner Teil. Dabei müssen die Landeigentümer beim aktiven Naturschutz finanziell unterstützt werden. Auch Blühpatenschaften wie Eingangs erwähnt sind denkbar, wenn sie auf Dauer ausgelegt sind. Nur so werden Wiesen und Äcker aus der hoch-wirtschaftlichen Nutzung entnommen werden (können).

 

Neben Subventionen für diese Betriebe rechtfertigt dies auch die Unterstützung der Landwirte, welche sich für den Biotopverbund einsetzen durch Endverbraucher und Handel. Diese könnten Produkte eines Naturschutz-Landwirtschafts-Labels bevorzugen. Eine Kombination mit Biologischer Erzeugung oder Solidarischer Landwirtschaft wäre denkbar. Natürlich auch eine Kombination mit naturnaher Selbst- und Zusatzversorgung nach Praktiken der Permakultur (David Holmgren) und des Drei-Zonen-Modells (Markus Gastl). 

Fazit

 

Blühbrachen sind ein Schritt in die Richtige Richtung. Landwirte haben Ihre Verantwortung verstanden, die Bevölkerung unterstützt mit Patenschaften und dem Kauf nachhaltiger / biologisch erzeugter Produkte. Um eine Trendwende hinsichtlich des Artensterbens zu schaffen ist eine Zusammenarbeiten von Naturschutz und Landwirtschaft nötig und vor allem eine tiefere Bildung beider Seiten über die Nöte und Zusammenhänger von Naturschutz auf der einen und Natur-Nutz auf der anderen Seite. 

 

 

Ich wünsche uns viel Erfolg und Zusammenhalt, um den Wandel gemeinsam zu gestalten.

 

Ihr, euer, dein,

David Seifert

 

 

Mehr auf www.lebensinseln.org und www.hortus-netzwerk.de

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Kommentare: 1
  • #1

    Frank Harmetzky (Montag, 19 August 2019 17:32)

    Vielen Dank für diesen hervorragenden Artikel!
    Ich bin selber Naturschützer und wir schützen im FFH-Schutzgebiet Niederösterreichische Voralpenflüsse einige sehr artenreiche Heißlände (Brennen) und dabei treffen wir auf die gleichen Probleme.
    Ich habe die Entwicklung in Bayern in den letzten Jahren sehr genau verfolgt und bin zum Teil erschrocken was selbst anerkannte Biologen zum Thema "Blühstreifen" für einen Mist erzählen und schreiben.
    Das Schlimme ist, dass heute Fakten und Wunschvorstellungen vermischt werden und das nun leider viel zu Oft am Ende der falsche Schluss herauskommt, dass Blühstreifen die Artenvielfalt retten.
    Sie haben wirklich sehr kurz und prägnant die vermischten Themen getrennt und sortiert und die richtigen Schlüsse gezogen.
    Dafür möchte ich mich ausdrücklich bedanken!

    Mit freundlichen Grüßen
    Frank Harmetzky
    Rockosoko@yahoo.com