Ökopunkte – ein Ablasshandel mit der Natur?

Die Gemeinde Baar-Ebenhausen in Obb. stellt sich als „führend im Naturschutz“ dar. Doch in Wahrheit betreibt die Gemeinde, mit dem Öko-Punkte-Konto ein Geschäft mit der Natur.

 

Man kauft z.B. 1 ha Landwirtschaftliche Fläche auf, die im Bestand 2 Öko-Punkte pro m² hat, und legt darauf eine extensive Streuobstwiese an. Durch diese Aufwertung wird die Fläche neu mit 10 Öko-Punkten pro m² bewertet. Man hat damit 100 000 Öko-Punkte geschaffen. Und man kann sogar über 10 Jahre diese Öko-Punkte mit 3%/Jahr verzinsen.

Die aufgewertete Fläche ergibt dann nach 10 Jahren 134.396 Öko-Punkte. Damit kann man dann ca. 13,5 ha landwirtschaftliche Fläche versiegeln ohne einen Ausgleich schaffen zu müssen.

 

Gemeinden und auch Privatpersonen oder Gesellschaften haben also die Möglichkeit, sog. Ökopunkte im Voraus für Baumaßnahmen oder andere Eingriffe in die Natur zu sammeln, um bei einem geplanten Vorhaben diese Punkte verwenden zu können. Die Ökopunkte können auch gehandelt werden und an Andere bundesweit verkauft werden. Mit Prinzipien der Finanzwirtschaft (Verzinsung und Handel) wird Versiegelung der Natur ermöglicht. Ein Öko-Punkte-Konto ist ein Sparkonto für zukünftige Naturzerstörung.

 

Mit den Öko-Punkten wird Naturschutz vorgetäuscht, es ist eine Mogelpackung. Sozusagen eine Ausgleichsfläche auf Vorleistung.

Mit Naturschutz oder einer grünen Einstellung hat dies leider rein gar nichts zu tun. Es ist im Prinzip moderner Ablasshandel und das mit staatlicher Unterstützung.

 

Ein Beispiel für diesen „Öko-Punkte-Handel“ ist das Amazon-Logistikzentrum bei Mönchengladbach. Da wurde ein 130.000 m² großes Bauwerk mit 240.000 Öko-Punkten bewertet. 140.000 Punkte wurden durch die Umwandlung eines Sportplatzes mit  8.500 m² in einen Auwald bereitgestellt. (Quelle Report Mainz) Der Prozess, bis wirklicher hochwertiger Auwald entsteht, dauert womöglich 100 Jahre. 

 

Ein Öko-Konto ist also kein Naturschutz sondern genau das Gegenteil davon. Es wird ja nur deshalb angelegt um zukünftig neue Flächen versiegeln zu können bzw. intakte Natur zu zerstören. Dass dieser Öko-Punkte-Handel vom Landesamt für Umwelt in Bayern empfohlen wird, zeigt wie weit wir als Gesellschaft vom sparsamen Umgang mit unserer Landschaft entfernt sind.

Aus meiner Sicht kann eine „Aufwertung“ eine Flächenversiegelung ohnehin niemals kompensieren. Die Flächen auf denen intakte Natur noch zu finden ist, werden also stetig weniger.

Denn, was weg ist, ist weg und die verfügbare Fläche für die Natur schrumpft trotzdem. Ein sinnvoller Ausgleich wäre es, für Neuversiegelungen wo anders Flächen zu entsiegeln. Für eine neue Straße müsste eine alte zurückgebaut werden.

Seit ca. zwei Jahrhunderten drängen wir unsere Natur zurück und beuten sie aus, durch (Über-) Nutzung. Die Folgen werden gerade in den letzten 30 bis 50 Jahren massiv sichtbar, wenn es um die globale Erwärmung und um das Artensterben geht. Wir entziehen uns unsere Lebensgrundlagen.

 

So kann man nur feststellen, wenn Baar-Ebenhausen in Bayern führend im Anlegen eines ÖKo-Kontos ist, dann ist die Gemeinde führend in der Planung zukünftiger Flächenversiegelungen. Als wirklichen Naturschutz kann man dies leider nicht bezeichnen.

 

Daher hat sich die Lebensinseln-Initiative zum Ziel gesetzt, ganz ohne Gegenleistung, aus Freiwilligkeit heraus das zu schützen und zu mehren, was unser aller Lebensgrundlage ist: Intakte Natur.

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